Hara - Ausgangspunkt der inneren Energie

Im Shotokan Karate-Do gibt es eine Vielzahl von Wörtern und Begriffen, die auf dieser Seite in Themengebieten zusammengefasst sind. Die angegebenen Definitionen sind einmal wörtliche Übersetzungen bzw. die daraus resultierenden Bedeutungen.

hara

Der Begriff Hara findet in allen Budokünsten immer wieder Verwendung, allerdings ist er für die meisten nur ein Wort, das die Bauchgegend beschreibt. Der Bauch ist zwar die direkte Übersetzung von Hara, gibt aber nur einen Teil der eigentlichen Wortbedeutung wieder. Hara ist einmal das Körperzentrum, der Schwerpunkt des menschlichen Körpers oder noch weitreichender formuliert, der Ausgangspunkt der inneren Energie, wobei hier erst einmal zurückgestellt sei, was dieses eigentlich bedeutet.

Betrachtet man Hara von der physikalischen, also der körperlichen Seite, so stellt sich heraus, das dieser Schwerpunkt die Effektivität der einzelnen Techniken steuert. Ein korrekt ausgeführter Hüfteinsatz verlagert das Körperzentrum (und damit seine Energie) in die gewünschte Richtung und gibt somit einen starken Impuls, der weitergeleitet über die Arme und Beine schließlich das Ziel trifft. Ganz entscheidend für eine kraftvolle Technik sind die Schnelligkeit und die Spannungs- und Entspannungsphasen der Hüfte bzw. deren Muskulatur. Dieses bedarf langjähriger Praxis und stellt immer wieder für jeden Neueinsteiger ein Problem dar, denn die sehr starken Muskeln um die Hüftgegend sind verhältnismäßig langsam, gegenüber den schwächeren aber schnellen Muskeln der Extremitäten.
Das Trainingsziel ist es nun, die Energie der Hüfte (besser noch des Hara) zu nutzen. Mit ihr beginnt die Bewegung, wobei der Impuls weitergeleitet wird in den entsprechenden Arm bzw. das Bein und im Auftreffmoment (Kimepunkt) eine Verbindung vom Zentrum (Hara) zum Ziel schafft. Im Idealfall wird nun die gesamte Energie des Körpers umgesetzt und es entsteht ein schockartiger Impuls im Auftreffpunkt.

Hara ist aber noch mehr als eine körperliche Komponente. Im japanischen ist Hara ein Punkt, der Körper, Geist und Seele anspricht. Der Mensch selber soll alle drei Bereiche gleichermaßen im Gleichgewicht (in seiner Mitte) halten und damit ein ausgewogenes, harmonisches Leben erreichen. Gerät ein Teil aus diesem höchst energievollem Zustand, so beeinflußt er sofort die beiden anderen Bereiche. Die dabei entstehende Disharmonie wirkt sich sofort auf seine Gedanken, Handlungen und Gefühle aus. Er ist nun nicht mehr Herr über sich selbst, besitzt also nicht mehr die vollkommene Kontrolle und kann somit in verschiedensten Situationen nicht mehr angemessen handeln. Er stellt nun mehr oder weniger eine Gefahr für sich oder für andere dar, egal ob er nun im Dojo trainiert, sich in einer Selbstverteidigungssituation befindet oder sich mit Dingen des Alltages befaßt. Deshalb ist es wichtig das er sein Hara ständig zentriert in einem harmonischen Gleichgewichtszustand hält, um aus ihm die Kraft – seine innere Energie ziehen zu können.