Zanshin - Die totale Wachsamkeit

Im Shotokan Karate-Do gibt es eine Vielzahl von Wörtern und Begriffen, die auf dieser Seite in Themengebieten zusammengefasst sind. Die angegebenen Definitionen sind einmal wörtliche Übersetzungen bzw. die daraus resultierenden Bedeutungen.

zanshin

Der Begriff Zanshin steht für Wachsamkeit, Bereitschaft, Geistesgegenwart. Für einen fortgeschrittenen Karateka ist es sehr wichtig, das er Zanshin beherrscht. Denn es ist notwendig, um in allen Situationen angemessen und richtig handeln zu können. In einer Kampfsituation darf er nicht den Überblick verlieren, aber er darf auch nicht an einem Punkt mit seinen Gedanken haften bleiben. Und genau das ist es, was Zanshin ausmacht und was es so erschwert, Zanshin zu erlernen und zu beherrschen.

Eine einfache Situation für fehlendes Zanshin läßt sich zum Beispiel in einem normalen Training erkennen. Es wird Kihon stark und schnell trainiert und der Sensei gibt anfangs in rhythmischen Abständen die Kommandos für jede Technik bzw. Kombination. Durch irgend ein Ereignis wird nun dieser Rhythmus unterbrochen und dennoch führt die Gruppe oder Einzelne die nächste Technik aus. Die Karateka haben sich vom Rhythmus fangen lassen. Sie haben nicht ihren Geist offen gelassen und auf das (verspätete) Kommando gewartet, sondern ließen sich durch etwas führen. Dieses Etwas ist die Unkonzentriertheit, die ein guter Karateka sogar seinem gegenüber z.B. im Jiyu-Kumite aufzwingen kann. Er hält scheinbar einen Rhythmus ein, ändert diesen dann plötzlich und entscheidet damit den Kampf für sich. In einer realen Konfrontration hätte nun der Karateka durch sein fehlendes Zanshin nicht nur den Kampf, sondern wahrscheinlich auch sein Leben verlieren können.


Zanshin schließt aber auch die Lücke zwischen absoluter Ruhe (Bereitschaft) und einer plötzlichen Aktion. Je besser Zanshin beherrscht wird, desto idealer und perfekter kann in jeder Situation gehandelt werden und zwar aus dem Hara heraus und nicht durch eine vorher überlegte Situation. Entscheidend ist vor allem, daß das Bewußtsein frei von allen Ängsten ist. Es darf sich weder Wut noch Aggressivität bilden oder gar Zweifel an den eigenen Fähigkeiten entstehen, denn hierdurch wird Zanshin blockiert. Deshalb sollte jeder Karateka versuchen, Zanshin so lange wie möglich im Training aufrecht zu erhalten, um nicht nur im Karate-Do davon zu profitieren, sondern wie bei allen Dingen des Karate-Do, einen Nutzen für das eigene Leben zu ziehen.